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Sicherheitsbilanz in Zahlen 

 

  Die Sicherheitsbilanz 2010

 

So groß ist jedes Kuchenstück

Überblick

- Gesamtzahl der Straftaten leicht gestiegen

- Aufklärungsquote auf historischem Höchstwert

- Gewaltkriminalität weiterhin rückläufig

-
mehr Rauschgifttote - weniger Rauschgiftdelikte insgesamt

-
mehr Verkehrsunfälle 

-
weniger Verkehrstote – weniger Motorradunfälle

 

Die Kriminalitätslage

Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten im Landkreis Emmendingen ist im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 % auf 7.388 (7.229) gestiegen. Diese Zahl liegt dennoch unterhalb des Durchschnitts der letzten fünf Jahre von 7.497. Eine Erklärung für den Anstieg liegt im erhöhten Bearbeitungsanteil der Bundespolizei, bei der es 2010 strukturelle Änderungen im Aufgabengebiet gab. Die Anzahl der von der Bundespolizei bearbeiteten Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Emmendingen hat sich mit 421 (263) mehr als verdoppelt. Diese Straftaten wirken sich in der PKS, die als „Tatortstatistik“ bezeichnet wird, im jeweiligen Landkreis aus. Den Löwenanteil der so über die Bundespolizei in die PKS eingeflossenen Straftaten machte das Erschleichen von Leistungen, also das „Schwarzfahren“ aus.

Um überregional auch strukturell unterschiedliche Gemeinden miteinander vergleichen zu können, gibt die sogenannte Häufigkeitszahl Aufschluss. (HZ= Anzahl der Straftaten im Bezug auf 100.000 Einwohner) In der mit Straftaten stärker belasteten sogenannten Rheinschiene weist die HZ dem Landkreis Emmendingen mit 4.682 (4.585) auch in diesem Jahr die an dieser Achse geringste Kriminalitätsbelastung zu. Die HZ in den Jahren 2008, 2007 und 2006 war deutlich höher (4.880, 4.897, 4.768), weshalb wir von einer langfristig positiven Entwicklung sprechen können. Zur regionalen Einordnung: Die Kriminalitätsbelastung bei uns ist im Regierungsbezirk Freiburg deutlich geringer als die der Stadt Freiburg mit 11.606, aber auch deutlich höher als beispielsweise im Landkreis  Rottweil mit 3.176. Im Vergleich liegt unser Landkreis auch im Regierungsbezirk und im gesamten Land BW seit vielen Jahren immer unterhalb der durchschnittlichen Kriminalitätsbelastung.

Innerhalb unseres Landkreises gab es in Emmendingen selbst mit 1.908 Zählfällen (absolute Zahl!) die meisten Straftaten. Setzt man die Anzahl der Straftaten in Bezug mit der Einwohnerzahl sind zwei andere Städte höher belastet als die Stadt Emmendingen mit der HZ 7.147.  An erster Stelle liegt Riegel mit der HZ 7.551, gefolgt von Herbolzheim mit 7.352. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass es in diesen Orten am unsichersten ist. In der PKS wirken sich hier ganz anschaulich die stark frequentierten, stadtnahen Autobahn- und Bahnanbindungen, besondere Brennpunkte, aber auch die allgemeine Infrastruktur aus. Befinden sich in einer Stadt lukrative Freizeitangebote (vor allem für die Abendstunden), so zieht dies neben den erwünschten Gästen auch Straftäter an. Dass man gerade Prozentzahlen sehr vorsichtig mit Statistiken umgehen muss, zeigt das Beispiel von Biederbach als positives Schlusslicht dieses Rankings. Dort ist die HZ um 61,1 % zurückgegangen. Im Jahr 2009 wurden dort 18 Straftaten angezeigt; 2010 waren es noch 7!

Deliktsarten, bei welchen meist von vorne herein ein Tatverdächtiger bekannt ist, wirken sich positiv auf die Aufklärungsquote (AQ) aus. So beispielsweise auch die Eingangs beschriebene Besonderheit mit den Schwarzfahrern. Das allein hat jedoch nicht zu dem mit großen Anstrengungen erreichten Anstieg der AQ auf 58,8 %  (54,2) geführt.

Überblick in aller Kürze

Die Aufklärungsquote ist seit 10 Jahren, von damals 51,4 %, auf den heutigen Wert gestiegen und stellt einen historischen Höchstwert dar. Das bedeutet: Seit Jahren kann im Landkreis mehr als jede zweite Straftat geklärt werden. Dies ist ein gutes Ergebnis, wenn man berücksichtigt, dass die Polizei bei einer Vielzahl von Straftaten kaum eine Chance zur Klärung hat. Zum Beispiel stehen bei einem Fahrraddiebstahl, der erst Wochen nach der Tat „für die Versicherung“ angezeigt wird, kaum noch Ermittlungsansätze. Auch wenn die Polizei das entwendete Rad später auffinden und auch zuordnen kann, gilt die Tat statistisch weiterhin als nicht geklärt.

Der starke Rückgang bei den Fahrraddiebstählen ist besonders auffällig. Im Jahr 2010 wurde mit 608 Fahrraddiebstählen der geringste Wert seit über 25 Jahren erreicht. Der bisherige Höchstwert lag bei 983 gestohlenen Fahrrädern in einem Jahr. Sicherlich haben sich hier die unter hohem Personalaufwand betriebenen Präventions- und Repressionsmaßnahmen der Polizei, aber auch der Verregnete Sommer 2010 ausgewirkt.

Für die Öffentlichkeit und Polizei ist gleichermaßen von Interesse, welche Altersgruppen die Straftaten begangen haben. Den eingangs erwähnten 7.388 Straftaten konnten bislang 3.107 Tatverdächtige zugeordnet werden. Betrachten wir die Tatverdächtigen näher, können wir ausschließlich die geklärten Fälle zu Grunde legen!

Die meisten Täter waren Wiederholungstäter. Während im Jahr 2010 die Anzahl der männlichen Tatverdächtigen gesunken ist, hat sich die Anzahl der weiblichen Tatverdächtigen auf den bisher höchsten Stand der vergangenen Jahre erhöht.

Positiv zu bewerten ist der Rückgang auf 909 (950) Tatverdächtige unter 21 Jahren. Man muss also sachlich feststellen, dass sich hier der subjektive Eindruck einer „schlimmen jungen Generation“ NICHT grundsätzlich bestätigt. Am demografischen Anteil dieser Gruppe gemessen - im Landkreis liegt er unter einem Viertel- sind sie jedoch  überproportional oft tatverdächtig. Dennoch ist es aus der Entwicklung heraus erklärbar, dass junge Menschen in bestimmten Deliktsbereichen häufiger straffällig werden als ältere. Sie begingen 55 % der Sachbeschädigungen, 47 % der Gewaltdelikte und  44 % der Diebstähle.

333 (335) Tatverdächtige waren sogenannte Junge Erwachsene (zwischen 21 und 24). Den größten Anteil der Tatverdächtigen stellt jedoch die Gruppe der Erwachsenen (ab 18) mit 2.198 (2.137).

Ein statistisch schwer zu belegender Umstand macht es den Polizistinnen und Polizisten bei Einsätzen (auch mit jungen Menschen) besonders schwer. Eine merklich steigende Anzahl der Tatverdächtigen ist bei der Tatausübung zum Teil erheblich alkoholisiert und aggressiv. Die Anzahl der Nötigungen und Bedrohungen hat mit 315 (231) Taten einen Höchststand erreicht. Auch die Anzahl der Beleidigungen ist auf bisher höchstem Niveau. Täter dieser Taten sind übrigens nicht nur Jugendliche! Die steigende Aggressivität wirkt sich insbesondere bei den Körperverletzungsdelikten aus. Die Entwicklung bei den Rohheitsdelikten weist ganz deutlich nach oben. Dies gilt sowohl für den Landkreis Emmendingen, als auch für den Regierungsbezirk und das Land Baden-Württemberg. Im Landkreis Emmendingen wurde der höchste Wert der vergangenen 10 Jahre erreicht.

Die Anzahl der Körperverletzungen folgt leider auch bei uns dem landesweit erkennbaren, steigenden Trend. In 614 (600) Fällen erhoben Täter ihre Hand gegen andere Personen. 190 (189) zusätzliche Körperverletzungsdelikte wurden unter qualifizierenden Bedingungen begangen. Hier wurde bei der Tat beispielsweise entweder ein Gegenstand eingesetzt oder sie wurde besonders brutal begangen.

Was bei erster Betrachtung stark besorgt, relativiert sich jedoch beim genaueren Hinsehen etwas: viele der Opfer sind auch gleichzeitig Täter. Das heißt, dass Körperverletzungen oft wechselseitig begangen werden. Mit Zahlen schlecht belegbar, aber dennoch deutlich wahrzunehmen ist, dass nicht nur die Täter, sondern auch viele Opfer häufig ganz erheblich alkoholisiert sind. Gewiss etwas zu einfach ausgedrückt aber im Grunde richtig: mit zunehmender Alkoholisierung steigt das Risiko, Täter oder Opfer einer Straftat zu werden.

In der Regel bringen Straftaten gegen das Leben zwar ein großes Medieninteresse mit sich, sind aber dennoch die absolute Ausnahme. Im Jahr 2010 gab es ein Tötungsdelikt. Ein 27-Jähriger steht im Tatverdacht eine im selben Obdachlosenwohnheim wie er wohnende 49-Jährige ermordet und anschließend verbrannt zu haben. Der Tatverdächtige ist seither in Haft; seine Gerichtsverhandlung steht noch an.

Erfreulich ist die Tendenz bei den Sachbeschädigungen, die mehr als 22 % der Gesamtstraftaten ausmachen und naturgemäß auch relativ schwer zu klären sind.

Mit 993 (1.079) Taten konnten wir nach 2007 wieder einen Wert unterhalb der 1.000 erreichen. Erneut fiel positiv auf, dass es immer wieder verantwortungsbewusste und couragierte Bürger sind, die nicht gleichgültig wegschauen, sondern der Polizei durch gute Hinweise helfen, Taten aufzuklären. Neben der Klärung von Taten ist dies vor allem für die Geschädigten ein großer Gewinn; sie haben mit der Klärung der Tat automatisch einen Adressaten für ihre Schadenersatzansprüche.

Den höchsten Anteil an Straftaten haben mit über 38 % die Diebstähle. Seit Jahren ist hier ein anhaltend rückläufiger Trend zu erkennen. Bei 2.824 Taten war bei mindestens der Hälfte der Fälle das Eigentum nicht speziell gegen Diebstahl gesichert. Wenn möglich, kann bereits eine einfache Diebstahlssicherung eine Tat verhindern. Die meisten Diebstähle waren die bereits in anderem Zusammenhang erwähnten Fahrraddiebstähle. Das liegt sicherlich auch daran, dass das Radfahren in unserer Gegend sehr attraktiv ist.

Die Anzahl der Wohnungseinbrüche hat mit 194 (187) registrierten Taten nach einem relativ niederen Vorjahreswert etwas zugenommen. Die Polizei hat 2010 mehrere größere Einbruchsserien aufgeklärt. Unter anderem die bereits seit 2009 dauernden Einbrüche in Back-Shops. Für insgesamt überregional 41 Taten konnten wir unmittelbar nach einer Tat in Wyhl drei Tatverdächtige aus dem Landkreis festnehmen. Die Ermittlungen führten zu weiteren Tatverdächtigen und Aufklärung weiterer Straftaten.

Auch eine Einbruchserie in Dentallabore und Zahnarztpraxen konnte die Polizei klären. Einem insgesamt 12-köpfigen Tatverdächtigenkreis konnten insgesamt 35 Taten im und um den Landkreis nachgewiesen werden. Bei mitunter spektakulär verübten Taten wurden schwere Tresore aus dem Obergeschoss auf den Gehweg geworfen und insgesamt einen sechsstelligen Betrag erbeutet. Nach momentaner Kenntnis der Polizei wurde zumindest ein Teil der Beute für Drogen und Glückspiel ausgegeben.

Einer der Deliktsbereiche mit einer stets sehr hohen Aufklärungsquote hat im letzten Jahr im Gegensatz zur überregionalen Entwicklung einen lediglich leichten Anstieg erfahren. Die Vermögensdelikte sind um 1,5 % auf 1.133 (1.116) gestiegen. Diese Zahl liegt im langfristigen Mittel. Auch aufgrund moderner Fahndungsmittel konnten in diesem Sektor mehr als 83 % aufgeklärt werden. Insbesondere in dem seit Jahren steigenden Deliktsbereich der Computerkriminalität investierte die Polizei auch 2010 viel in die Prävention. In etlichen Informationsveranstaltungen konnten sich Bürger jeden Alters über die Risiken und Gefahren im Internet bei Spezialisten der Polizei informieren. Mit 233 Taten konnte die Tendenz erfreulicherweise gestoppt werden.

Im Jahr 2010 haben in unserem Landkreis leider drei Menschen den Drogenkonsum mit ihrem Leben bezahlt. Die Rauschgiftkriminalität im Landkreis ist allerdings insgesamt  nicht Besorgnis erregend. Es gibt weder eine offene Drogenszene, noch eine strukturiert organisierte Beschaffungskriminalität. Wenn auch manche Straftat, vor allem im Bereich der Eigentumsdelikte, zur Finanzierung einer Sucht dienen dürfte.

Nach einem hohen Wert im Jahr 2009 gab es im hier betrachteten Jahr 54 Fälle weniger. Mit 306 Fällen liegen wir auf einem im Langzeitvergleich der letzten Jahre niederen Niveau. Die Masse der Delikte wurde mit Cannabis begangen. Mit immer wieder neuen chemischen Substanzen werden jedoch auch Gesetzeslücken genutzt. So kann man beispielsweise zweifelhafte Präparate und Kräutermischungen also Reiniger, zur angeblichen Raumlufterfrischung oder als Badezusatz legal erwerben. Dass diese Produkte jedoch zweckentfremdet konsumiert und damit lebensgefährlich werden, wird von unseriösen Herstellern bewusst in Kauf genommen. In wenigen Fällen unterliegen Inhaltsstoffe sogar dem Betäubungsmittelgesetz.

Eine weitere Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt: Autofahrer, die unter Drogeneinwirkung stehen, sind quasi rund um die Uhr anzutreffen.

 

Die Verkehrssicherheitslage

Im Landkreis Emmendingen sind zirka 106.000 Kraftfahrzeuge zugelassen, die auf ungefähr 670 Kilometern Bundes-, Landes- und Kreisstraßen verkehren. Ferner haben wir etliche Kilometer Gemeindestraßen, Rad- und Gehwege. Zum Fußgängerverkehr kommen bei uns –deutlich mehr als in anderen Kreisen- sehr viele Radfahrer. Die durch unseren Landkreis führende Autobahn fällt übrigens nicht in den Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Emmendingen.

Die Verkehrssicherheit auf hohem Niveau zu halten stellt alle beteiligten Behörden, Einrichtungen und nicht zuletzt die Polizei das ganze Jahr hindurch vor eine große Aufgabe. In enger Zusammenarbeit wird alles unternommen, Verkehrsunfälle möglichst zu verhindern.

Unfallhäufungsstellen im Sinne der Vorgaben gibt es im Landkreis Emmendingen nur noch ganz wenige. Eine solche Stelle definiert sich aus einer vorgegebenen Anzahl bestimmter Unfäller in einem vorgegebenen Zeitraum. (beispielsweise 4 gleichgelagerte Unfälle innerhalb eines Jahres an derselben Stelle) So kam es binnen kurzer Zeit im Sommer 2010 an einer Einmündung zwischen Reute und Schupfholz immer wieder zu Unfällen mit Personenschäden. Mit ursächlich dürfte hier die Vegetation am Fahrbahnrand gewesen sein, die manchen Verkehrsteilnehmern die Sicht eingeschränkt hat. Nach dem Rückschnitt des Böschungsbewuchses im Sommer ereignete sich an dieser Stelle noch ein einziger Verkehrsunfall.

Im Betrachtungsjahr hatte die Polizei im Landkreis genau 2.561 (2.480) Verkehrsunfälle bearbeiten. Diese Zahl ist erneut gestiegen (um 3,3 %), was sicherlich auch mit der immer höheren Mobilität und steigenden Verkehrsdichte zusammenhängen dürfte, da diese Entwicklung auch landesweit, dort mit 4,5 %, festzustellen ist. Mit zum Anstieg dieses Unfallaufkommens insgesamt haben unstrittig auch witterungsbedingt verursachte Verkehrsunfälle während der anhaltend langen Winterwetter-Lagen beigetragen.

Leider haben bei 7 (10) Verkehrsunfällen 9 (11) Menschen ihr Leben verloren. Noch immer ist diese Zahl viel zu hoch. Sie liegt auch etwas über unserem Langjahresmittel. 6 der verunglückten Menschen waren mit einem Zweirad (3 Fahrräder, 1 Leichtkraftrad und 2 Krafträder) unterwegs. Ein 56-jähriger Motorradfahrer bezahlte ein riskantes Überholmanöver bei Winden mit seinem Leben. In derselben Gemeinde kostete sechs Monate später einen 60-jähriger Mopedfahrer ein Fahrfehler sein Leben. Einem 54-jährigen Kraftradfahrer nahm im Sommer ein Autofahrer in Emmendingen die Vorfahrt.

Besonderes Unglück in einer sehr unwahrscheinlichen Konstellation hatten zwei Sportradfahrer bei Endingen. Die Kombination aus der Vorfahrtsverletzung durch einen Kleinlasterfahrer, einer Sichteinschränkung durch hochstehenden Mais am Wirtschaftsweg und Geschwindigkeit führte zur tödlichen Kollision beider Radfahrer mit dem Kraftfahrzeug. Die Anzahl der Verkehrstoten hat 2010 dennoch einen landesweiten Tiefststand von 494 (535) erreicht. 

Die Unfallzahlen

Eine grundsätzlich bedenkliche Häufung von Unfällen bestimmter Verkehrsarten war im Jahr 2010 nicht festzustellen. Der Zunahme schwerer Verkehrsunfälle von Motorradfahrern konnten die verantwortlichen Stellen im Landkreis bereits 2009 offensichtlich wirkungsvoll entgegen wirken. Die Anzahl von Motorradunfällen insgesamt sank von 111 (2008) zunächst auf 82 (2009) auf nun 71. Elf Motorradunfälle im Jahr 2010 weniger sind zwar noch nicht das Ziel aber schon ein guter Weg! Die Verantwortlichen sollten uns das jedoch nicht alleine „auf die Fahne schreiben.“ Auch hier könnte nämlich die für Motorradfahrer eher ungünstige Witterung der Saison 2010 einen Einfluss gehabt haben.

Die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt ist zwar gestiegen; dennoch geht der Anteil der Unfälle mit Personenschaden bereits seit längerem zurück. Im letzten Jahr um knapp 2 % auf 482 (491). Sicher gibt es hierfür mehrere Gründe: Die passive Sicherheit der Fahrzeuge nimmt zu. Dies unterstreicht auch die Abnahme im Bereich der Schwerverletzten um 27 %, die einer geringeren Zunahme von 3 % bei den Leichtverletzten (= keine stationäre Aufnahme im Krankenhaus) entgegensteht.

Der Anstieg bei den Schulwegunfällen auf 14 (9) stellt nicht nur die Polizei im Landkreis vor die Herausforderung hier noch genauer hinzusehen. Leider kann nicht immer eine eindeutige Ursache ausgemacht werden. Für die Sicherheit der schwächsten Verkehrteilnehmer kann kein Aufwand zu groß sein. Ob nun dieser Ausnahmewert durch eine möglicherweise höhere Schülerzahl, verkehrlich ungünstigere Ferienzeiten, mehr dunkle Morgenstunden oder beispielsweise auch Veränderungen im Fahrplan des ÖPNV verursacht wurde, kann nicht eindeutig nachvollzogen werden. Fest steht aber, dass die Polizei auch künftig ein Hauptaugenmerk auf die Schulwegsicherheit legen wird.

Einen sehr effektives „Werkzeug“ Unfälle zu verhindern ist die sogenannte Örtliche Unfallursachenforschung. Zunächst gilt es jedoch eine statistische Verzerrung zu erklären: Die langjährige „Unfallursache Nr. 1“ ist zahlenmäßig die Kombination aus Fehlern beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren. Dies deshalb, weil in etwa die Hälfte aller Unfälle sogenannte Bagatellunfälle sind. Betrachtet man jedoch die Unfälle mit gravierenderen Ursachen und Folgen, so belegen hier die Ursachen Vorfahrtsverletzung und Geschwindigkeit die ersten Plätze. Wer sich schon länger motorisiert im Straßenverkehr bewegt, wird unbestritten zugeben müssen, dass es ganz offensichtlich unter anderem die  landläufig ungeliebten Geschwindigkeitskontrollen sind, welche die Verkehrsmoral anhaltend positiv verbessert haben. Der Eindruck, dass man nirgends mehr zu schnell fahren kann, ohne erwischt zu werden wird auch durch ständige “Warnungen“ im Radio unterstützt. Bürgerbeschwerden über Raser betreffen meist die eigene Wohnanschrift des Beschwerdeführers, der sich selbstverständlich selbst immer an Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten glaubt. Kaum eine andere Vorschrift wird häufiger kritisiert als eine Geschwindigkeitsbeschränkung; auch wenn kaum jemand ernsthaft grenzenlose Raserei befürworten würde…

Als ebenfalls sehr wirkungsvolles Instrumentarium zur Minimierung der Risiken im Straßenverkehr werden im Landkreis auch weiterhin polizeilich und behördlich veranlasste  Geschwindigkeitskontrollen stattfinden.

Die höchste Zunahme bei den unfallursächlichen Einflüssen erfuhr erneut die Witterung mit beinahe 150 %. Bei 112 (45) Unfällen spielten Witterungseinflüsse eine erhebliche Rolle. Sicherlich waren hier die vielen Schneetage mit verantwortlich. Es zeichnet sich schon heute ab, dass die neue Regelung der Winterreifenpflicht positive Veränderungen bringen dürfte. Ob sich dies in Zahlen zukünftiger Statistiken ablesen lassen wird, kann jetzt noch nicht bewertet werden.

Wenn Polizeibeamte eine(n) berauschte(n) Verkehrsteilnehmer(in) (nicht selten waren es 2010 auch Frauen!) sprichwörtlich „aus dem Verkehr ziehen“, beseitigen sie damit ganz erhebliche Gefahren, welchen wir alle ausgesetzt sind. Routinekontrollen der Polizei ergaben bei Kraftfahrzeugführern immer wieder den Verdacht einer Beeinflussung von Drogen und/oder Alkohol am Steuer. 2010 führte dies bei 89 Verkehrsteilnehmern zum sofortigen Fahrtende. Sehr wahrscheinlich hängt der Hohe Kontrolldruck in diesem Bereich unmittelbar mit der deutlich gesunkenen Anzahl von Unfällen berauschter Verkehrsteilnehmer zusammen.

Erfreulich ist der Rückgang bei den Unfallfluchten um immerhin 2 %. Für einen Täter spielt das Entdeckungsrisiko insbesondere bei dieser Tat eine große Rolle. Muss er davon ausgehen, dass er beobachtet wurde, wird er wohl die Unfallstelle eher nicht unerlaubt verlassen. Im Jahr 2010 konnte die Polizei zahlreiche Fälle mit Hilfe von Zeugenaufrufen in den Medien klären, weil verantwortungsbewusste Bürger hilfreiche Ermittlungsansätze beigesteuert haben. Den größten Anteil der Unfallfluchten haben auch in diesem Jahr wieder nicht etwa die schweren Unfälle, sondern die Parkrempler und Spiegelstreifer.

Nachdem bereits 2009 ein leichter Anstieg bei Verkehrsunfällen unter Beteiligung Junger Fahrer (zw. 18 – 24 Jahre) zu verzeichnen war, stieg diese Zahl erneut.

Die Zahlen der letzten drei Jahre: 272, 294, 319.

Ein naheliegender, aber möglicherweise zu kurz greifender Erklärungsansatz könnte in der Neuerung im Bereich des „Fahrens ab 17“ zu finden sein, die durchweg als Gewinn im punkto Verkehrssicherheit gesehen wird. Dennoch führt dieser neue Weg offensichtlich  mehr junge Menschen zur Fahrerlaubnis, was automatisch auch zum Anwachsen der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen führt. Erfreulich ist, dass die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden trotz Erhöhung der Gesamtunfallzahl dieser Unfälle deutlich gesunken ist.

Leider ist bei der Unfallbeteiligung von Senioren (Verkehrsteilnehmer ab 65 Jahre) ist ein stetiger Anstieg zu erkennen. Die Zahl stieg in etwa analog der demografischen Entwicklung von 244 auf 256. Neben vielen anderen Verantwortungsträgern bietet die Polizei genau für diese Zielgruppe bereits seit Jahren ein „Fahrsicherheitstraining für Senioren“ an, welches älteren Autofahrern in einem theoretischen und einem praktischen Teil unter anderem die modernen Gefahren im Straßenverkehr näher bringt.